Pilgertagebuch 20.07.2013

20.07.2013
Von Uslar bis Bursfelde. Ach wie ist es im Wald so schön. Heißes Wetter ist angesagt und ich entschließe mich um drei Uhr Nachts aufzustehen um möglichst früh auf dem Pilgerweg zu sein. Die weitere Nacht verbringe ich im Wald bei Uslar. Es ist angenehm warm und als die Sonne aufgeht, zwitschern die Vögel. Rehe liegen im Kornfeld und als sie mich bemerken, rennen sie fort. Im Wald sind auch wieder überall Zisterzienserkreuze an den Bäumen. Nach beten ist mir heute eigentlich nicht aber Pilgern ohne beten ist kein Pilgern. Also fange ich einfach an. „ Lieber Gott du bist der Größte und ich bin ja so schlimm. (Warum schreib ich hier nicht).

Früh ist Vernawahlshausen erreicht und ich wunder mich, dass die Kirche um 6:30 offen ist. Nun, in so einem abgelegenem Dorf, im tiefstem Niedersachsen, schließt niemand etwas ab. Das ist dann auch bei der Kirche so. Da sie evangelisch ist, ist auch nichts drin. Kahle weiße Wände und der Altar aus Stein mit festgemauertem Eisenkreuz. Der Sakramentalschrank ( Tabernakel ) ist offen. Er ist in einer Wandnische eingelassen. Wie alle Pilger bin ich neugierig und schaue hinein. ( Jesus hat ja gesagt, lasst die Kinder zu mir kommen ). Ein großer und ein kleiner Abendmahlskelch stehen auf einem Hostienteller. Alles ist aus Ton getöpfert. In einem Fach darunter liegt eine dicke Bibel. Ich bekreuzige mich, man kann ja nie wissen was so ein Kelch macht, besser ist das.

Schön ist es hier trotzdem, weil es so ruhig ist. Ich meditiere noch ein bisschen und verlasse dann die Kirche. Kurz vor Arendsborn frühstücke ich erst einmal. Es gibt Käsestullen und Himbeeren die am Waldrand wachsen. Die Himbeeren sind voll mit Würmer. Ich schau lieber nicht so genau hin. Protein braucht der Mensch und frischer geht es nicht. Garnelen esse ich ja auch. Das Frühstück war recht üppig und ich pappsatt.

Weiter ging es nach Heisebeck und Fürstenhagen. Die Sonne kommt aus den Wolken heraus und es wird brutal heiß. Schwitzend geht es den Berg hoch und ich habe das Gefühl, das alles was ich trinke sofort wieder aus den Poren heraus kommt. Pilgern im Schweiße des Angesichts. Nach einer Weile geht der Weg wieder gerade und bergab. Es ist noch so weit bis Bursfelde, wie soll ich das bloß überstehen. Ich fange mit Rosenkranz beten an. Die einfache Variante, ohne Mysterien, betet sich schon recht gut. Die Mysterien kann ich nur mit Gebetsbuch. Vielleicht sollte ich diese über Winter mal auswendig lernen. Beim beten bin ich recht flott unterwegs und ich komme noch vor 16:00 Uhr im Kloster Bursfelde an.

Die Pilgerherberge ist eine umgebaute Scheune und in einer Ecke war auch ein Schweinestall. Jetzt ist aber alles sauber und nichts riecht mehr. Es ist alles in kleine Zellen eingeteilt. Diese Zellen sind so groß wie Pferdeboxen und wirklich gemütlich. Auf der Tenne stehen Tische und Stühle. An der Wand ist eine moderne Küchenzeile. Die Waschräume sehen ach aus wie Pferdeboxen, sind aber ganz komfortabel. Es trudeln noch andere Pilger ein. Der Herbergsvater zeigt uns alles. Im hinterem Teil der Scheune gibt es einen Bereich wo der Herbergsvater wohnt und schläft. Dieser besteht aber auch nur aus einem Zimmer und einem Büro.

Bald ist es 18:00 Uhr und Zeit für das Abendgebet (Hora) in der Klosterkirche. Die Kirche ist recht gut besucht. Eine Pastorin hält das Abendgebet und bittet alle, sich mit einem Gesangbuch im Kreis um den Altar zu stellen. Ein Pärchen bleibt erschrocken auf der Kirchenbank sitzen. Beide wollten doch nur das Kloster besichtigen. Ganz schüchtern schauen sie beim Abendgebet zu. An den Gesichtsausdrücken sieht man das sie so etwas noch nie gesehen haben. Nun werden Psalmen und Lieder aus dem Gesangbuch gebetet und gesungen.

Hunger…..
Da die Pilgerherberge für Selbstversorger ist, koche ich mir Nudeln ( habe ich im Rucksack mitgebracht, ein Geschäft gibt es hier nicht ). Wie gern hätte ich jetzt noch eine Flasche Wein. Mir bleibt aber nur Tee oder Wasser. In der Pilgerherberge gibt es keinen Fernseher, Computer und Radio. Darum setzte mich noch an die Weser und genieße den Abend. In der Pilgerherberge liegt ein Buch von Margot Käßmann, das möchte ich noch im Bett lesen. Mir fallen aber die Augen zu. Gute Nacht.