JW und Lutheraner, ein Schachspiel?

Ich sitze im Wohnzimmer und meine Zebrafinken melden wie die Wachhunde (Wächtervögel). Jemand hat das Grundstück betreten. Ich schaue vorsichtig durch die Gardine, so das mich von außen niemand sieht. Es sind 2 Frauen, eine Ältere und eine Jüngere. Beide Frauen gut angezogen und mit Rock. Bei der Älteren klemmt der Wachtturm unter dem Arm. Die Jüngere hat ein dickes Buch in der Hand. Aha, ich weiß sofort Bescheid. Alte Erinnerungen kommen blitzschnell hoch, ich hatte sie schon total verdrängt. Es war plötzlich alles da als wäre es gestern gewesen.
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Vergangenheit:
Ca. einen Monat nach meiner Konfirmation ging es los. Ich war 14 Jahre alt. 2 Frauen, Mitglieder der JW´s, klingeln an der Haustür. Meine Mutter ging hin, sprach mit ihnen und sie verschwanden wieder. Alle 4 Wochen kamen sie nun, sie hatten keinen Erfolg bei meiner Mutter. Dann war erst einmal Ruhe an der Haustür. Wir wohnten in der Fußgängerzone einer kleinen Stadt und meine Eltern hatten ein Bestattungsinstitut. So kam es das immer 2 Mitglieder der JW´s mit dem Wachtturm auf der gegenüberliegenden Straßenseite standen und unser Haus beobachteten. Es herrschte eine Art Burgfrieden. So war es in Ordnung für beide Seiten. Nach 2 Jahren, ich war gerade 16 Jahre alt geworden, ging es wieder los. Die JW´s wussten genau wann ich komme und gehe. Sie wussten wann die Tochter vom Bestatter zu Hause war. Wenn sie zu bestimmten Zeiten an der Haustür klingelten, wussten sie das ich zur Tür komme. Mir wurde klar, das sie mich 2 Jahre lang beobachtet hatten. Jetzt war ich dran und sie verwickelten mich in Bibelgespräche. Ich reagierte spontan, denn ich wusste nicht wie mir geschah. Ich war total unerfahren mit so etwas. Beim Abendessen erzählte ich alles meinen Eltern, mir war das alles Unheimlich. Meine Eltern klärten mich nun auf. Sie erzählten mir alles über deren Mission, den Königsreichssaal und den Ältestenrat. Sie machten mir aber auch klar, das ich als Lutheraner die Freiheit eines Christenmenschen habe und was dies bedeutet. Meine Mutter erzählte mir das einige unserer Verwandten bei den JW´s sind. Der Kontakt hält sich in Grenzen, da die religiösen Interessen verschieden sind. Geburtstage und Weihnachten werden bei den JW´s nicht gefeiert, da sie es für überflüssig halten. Es ist ihnen nicht wichtig. Mir wurde klar, das ich die Freiheit eines Christenmenschen aufgeben würde, wenn ich zu den JW´s gehe. Das kam und kommt auch heute nicht in Frage und meine Eltern wussten das ich Freiheiten nicht aufgeben werde. Ich sollte aber immer nett und freundlich zu den JW´s sein, denn sie haben uns nichts getan und sie halten sich an die 10 Gebote. So sei es, mach ich.
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3 mal kamen nun die selben Personen an die Haustür. Ich hatte mir schon vorher überlegt, was ich mache, wenn sie kommen. Die JW´s hatten keinen Erfolg bei mir. Es war für mich ein Schachspiel, wann ist wer am Zuge. Und jetzt waren sie Schachmatt gesetzt von der 16 Jährigen Tochter des Bestatters. Mein Vater fand das ganz amüsant. Er erzählte mir das dies nun den Ältesten im Königsreichssaal vorgetragen wird. Sie werden mich als harte Nuss betrachten, das Schachspiel wird weiter gehen. Es geschah aber erst einmal nichts. Mein Vater erklärte mir das sie jetzt überlegen was sie tun. Und so ging mein Vater mit mir die nächsten Schritte durch, er war ja der Bestatter. Und immer nett und freundlich bleiben.
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Nun standen 2 neue JW´s auf der anderen Straßenseite und beobachteten das Haus. Es herrschte wieder Burgfrieden, die Welt war so in Ordnung. Doch die neuen waren 2 Personen, die mein Vater bestens kannte. Es war der Oberprediger Herr S, mit seiner Frau. Herr S, hatte meinen Vater in der Werkstatt besucht und ihm während der Arbeit einfach aus der Bibel zitiert. Er war ja der Oberprediger und im Ältestenrat. Mein Vater hat einfach weiter gearbeitet und ihn ignoriert, da verschwand er nach einiger Zeit. Bei einem Bestatter erscheinen nun auch mal schräge Typen, das ist normal. Mein Vater erzählte mir alles. Und immer nett und freundlich bleiben.
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Es klingelte an der Haustür, es war Herr S, mit seiner Frau. Es war Winter und kalt, ich stand barfuß auf den Fliesen. Herr S, hatte genau beobachtet, das ich immer barfuß laufe und Freunde schnell herein lass, weil es kalt ist. Das Gespräch an der Haustür dauerte eine Stunde und ich lies ihn nicht hinein. Mir war kalt und ich biss die Zähne zusammen, aber ich gab nicht auf. Im Hinterkopf immer die Freiheit eines Christenmenschen. Und immer nett und freundlich bleiben. Man war das ein Akt. Herr S, lies nicht locker, überraschte mich zu den unmöglichsten Uhrzeiten und immer dann wenn die Eltern nicht zu Hause waren. Er war doch der Oberprediger und es musste doch klappen. Es war ein ernstes Schachspiel. Ich hatte nun keinen Bock mehr. Mein Vater sagte wieder, bleib nett und freundlich. Ja, aber das ist sehr schwer wenn man keinen Bock hat.
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Ich verließ das Grundstück nur noch durch den Hintereingang und fuhr dann schnell mit dem Fahrrad fort. Ich machte auch die Haustür nicht mehr auf, wenn es klingelte. Meine Freunde kamen durch den Hintereingang in das Haus. Herr S, durfte das natürlich nie erfahren. So standen Herr S, und seine Frau sich die Beine in den Bauch, natürlich mit dem Wachtturm in der Hand. Soll er doch schmoren. Aber ich bleibe nett und freundlich.
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Zurück 2017
Jetzt klingeln die beiden Damen an der Haustür. Guten Tag, wir möchten gern mit Ihnen über die Bibel reden. Es folgt ein kurzes nettes Gespräch und dann bekomme ich eine Einladung zur Bibelstunde.
„ Ah, eine Einladung in den Königsreichssaal.“
„ Oh, woher wissen Sie das?“ Kam nun die überraschte Antwort der älteren Dame. „ Ich habe Sie noch nie gesehen.“
„ Ach es ist die Vergangenheit, ich bin hier zugereist, sie können mich nicht kennen.“ Jetzt wussten die beiden Damen nicht mehr was sie sagen sollten und es folgte eine freundliche Verabschiedung.
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Auf zur nächsten Runde, ein neues Schachspiel.
Ich warte.
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Update 04.06.2017
Der Nachmittag wird heute schön und die Sonne kommt raus. Ich habe nur darauf gewartet. Schnell ist ein Handtuch, eine Flasche mit Tee, Messer, Feuerzeug, Decke, Minikompass in den Rucksack gestopft und es geht ab in den Wald. Ich laufe zu der Ostseite von einem Waldsee. Ein netter Badeplatz zwischen Büschen und Schilf ist auch schnell gefunden. Ich denke an ein Video von Stefan, Survival Deutschland „ https://www.youtube.com/watch?v=U1oet1KTkvs „ das geht doch bestimmt auch mit einer Decke. Weicher Waldboden, trockenes Gras und Blätter sind reichlich da. Darüber kommt die Decke.Toll eine weiche Matratze im Busch. Etwas weiter hat es sich ein Pärchen mit Hängematten gemütlich gemacht. Was für ein Idyll uns geht es allen gut hier auf den Dörfern im tiefsten Niedersachsen. Das Wasser ist im ersten Moment kalt, aber als ich drin bin ist es herrlich. Mitten in der Natur baden, ich fühle mich dann der Schöpfung so nahe. Nach dem Bad wärme ich mich in der Sonne auf. Mein Minikompass hat auf der Rückseite ein kleines Thermometer. Im geschütztem Gebüsch sind es 25 Grad Celsius. Ich liege auf meiner Decke und sonne mich. Nach einer Weile ziehen dicke Cumulonimbus Wolken auf und kommen direkt auf mich zu. Leider habe ich kein Tarp dabei und so packe ich schnell meine Sachen zusammen und verschwinde. Selbst wenn ein Unwetter kommt, ist es mit einem großen Tarp schön im Wald. Wie im Paradies.Viele Menschen haben Angst vor dem Wald, den Luchsen, Wölfen und Wildschweinen die in ihm leben. Ich habe meine Angst vor den wilden Tieren abgebaut, bin aber trotzdem vorsichtig. Wölfe sind mir noch nicht begegnet, ich weiß aber das sie da sind. Gegenseitiger Respekt bedeutet Frieden in Wald. Gegenseitiger Respekt wäre auch für uns Menschen gut, dann könnten wir alle in Frieden leben und es gäbe keinen Krieg mehr. Leider sind viele Menschen zu dumm dazu, sie vernichten sich gegenseitig. Die Natur ist von Gott geschaffen und die Natur macht alles vor wie es geht.
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Anschlag in London mit Toten. Islam = Satan, Sheitan = Terror und das Böse. Wir lassen uns nicht unterkriegen.
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Friede, Freiheit und Gerechtigkeit für alle.