Der Geisterzug

Ich fahre immer mit der Bahn zur Arbeit und bin Fernpendler. In Zeiten von Corona ist das sehr merkwürdig. Morgens am Bahnhof sind kaum Menschen, es ist Frühling und die ersten Vögel zwitschern. Auf einem Mast, hinter dem alten Stellwerk, haben Störche ihr Nest gebaut. Im Sonnenaufgang kann man die großen Vögel gut beobachten, sie klappern. Es ist gespenstisch ruhig. Ein schöner aber menschenleerer Morgen. Mir geht es gut.
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Dann kommt der Zug, der uns jeden Morgen in die Stadt bringt. Auf dem sonst gut gefüllten Bahnsteig stehen 4 Menschen. Der Zug hat 7 Wagons und ich haben einen ganzen Wagon für mich allein. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, ich sitze in einem Geisterzug und doch ist es die Realität.
Im Zug träume ich vor mich hin und muss an einen Traum denken den ich vor 2 Tagen hatte. Ja, ich muss immer wieder an diesen Traum denken.
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Ich stehe auf einer Landstraße, es kommen keine Autos und es ist menschenleer. Rechts und links Felder, Weisen, sanfte Hügel, Wald und die Vögel zwitschern im Frühling. Vor mir liegt eine Stadt, es ist eine Geisterstadt. Ich kann diese Stadt klar erkennen. Es ist nicht die Stadt in der Bibel aus der Apokalypse, denn es fehlt die Stadtmauer mit ihren 12 Toren. Es ist also nicht der Tod und das Jenseits. Es ist alles da, aber keine Menschen, es ist eine richtige Geisterstadt, ein -lost place- eine verlorene Stadt.
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Ich komme in der Stadt an. Am Bahnhof sind einige wenige Menschen. Kein Gedränge, keine Schüler, keine Studenten. Meinen Kollegen geht es ähnlich. Im Büro angekommen schließen wir uns ein. Mit unseren Kunden telefonieren wir oder halten eMail Kontakt. Es ist ein komisches Gefühl, so unwirklich aber auch Realität.
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Auf dem Rückweg ist es wieder fast leer am Bahnsteig. Jetzt sitzen wir zu zweit in einem großen Wagon vom Zug. Gespenstige Stille ist hier die Realität. Am Ankunftsbahnhof ist es auch wieder fast leer, 3 Menschen die aus dem sonst gut gefüllten Zug mit den 7 Wagons aussteigen. Die Störche vom Mast hinter dem alten Stellwerk begrüßen uns und klappern. Die Vögel zwitschern, es ist Frühling und eine ungewöhnliche Stille. Es sind kaum Autos auf der Straße. Keine spielenden Kinder, die Menschen bleiben freiwillig im Haus. Bei uns gibt es keine Ausgangssperre, wir dürfen raus.
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Es ist spuky und doch Realität.
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