Die moderne Ständegesellschaft

Eigentlich wollte ich über die Ständegesellschaft in der heutigen Zeit schreiben. Doch einige Zustände machten mich so betroffen, das ich dies nicht kann. Liebe Leute, ich werde für Euch beten.

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Warum?

Erschreckend stellte ich fest, das die Schere zwischen arm und reich sich in den letzten zwei Monaten mit einem rasanten Tempo weiter geöffnet hat. Ich stellte fest, das dies auch nicht so schnell zu stoppen ist. Mütter mit Kindern werden verstärkt von ihren Partnern verlassen. Die Väter verdienen so wenig Geld, das sie keinen Unterhalt mehr zahlen können. Die Mütter stehen mit den Kindern mittellos da. Selbst staatliche Fürsorge reicht oft nicht für genügend Essen. Sie wohnen zwar in besseren Unterkünften, mit besserer Ausstattung und Möbeln als ich, aber sie sind nicht frei. Sie glauben oft an nichts (Ausnahmen gibt es, kommt aber selten vor). Beide Partner hatten verschiedene Vorstellungen von einer Partnerschaft.

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Ich stellte einen krassen Unterschied zu unserer Ehe fest: Beide christlich, gemeinsam sind wir stark, durch gute und durch schlechte Zeiten. Probleme sind dazu da, damit man sie löst und auch etwas daraus lernt. Wir schaffen das. Wir geben nicht auf, wir sind frei. Ohne Jesus ist alles doof.

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Ich setzte mich am Samstag mit einem Collegeblock auf die Terassenbank (Ein Brett auf 2 Baumstuken, von den Jungs aus dem Sägewerk) und schrieb und schreib. Mein Mann war unterwegs, Insekten fotografieren. Ich wollte noch in den Supermarkt und da man ja nicht hungrig einkaufen gehen soll, kochte ich noch schnell Essen. Es gab Gemüsebratlinge mit Möhrengemüse und Röstzwiebeln. Und wieder stellte ich einen Unterschied zu den Armen fest. Dort gab es auf die schnelle nur einen Hamburger im Pappkarton, einer bekannten Fastfood Kette (davon wird man nicht satt). Den Kofferraum des Autos bepackte ich mit Pfandflaschen und wieder wurde mir ein Unterschied bewusst. Der Arme fährt mit dem Bus und hat die Pfandflaschen in einem großen Plastiksack.

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Im Supermarkt

Die Pfandflaschen Annahme ist hier ein Automat. Oben steckt man die einzelnen Flaschen rein, unten auf das Fließband kommen die Kästen. Rechts ist eine Anzeige, damit man auch sieht wie viel Pfand das ist. Wenn man fertig ist drückt man auf den Knopf und der Pfandbon kommt aus einem Schlitz im Automaten. In den USA heißt das Payback Coupon, gibt es dort aber sehr selten und ist den meisten nicht bekannt. Mit diesem Coupon kann man dann wieder im Supermarkt einkaufen gehen. Ist nichts neues, gibt es auch bei uns auf dem Dorf. Und wieder gibt es hier einen kleinen Unterschied: Neben dem Pfandautomaten, an der Wand, hängt ein Kasten. Es ist die Spendenbox der Bürgerhilfe. ( Das ist ein Verein, der im Dorf eine Kleidertafel und im Nachbardorf eine Lebensmitteltafel betreibt). Tafeln sind Vereine, die Nahrung und Kleidung für Arme sammeln, damit diese nicht frieren und hungern müssen. Die Leute die dort arbeiten tun das freiwillig, ohne Bezahlung. Die meisten sind Christen.

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Mit dem Wochenendeinkauf fahre ich nun nach Hause. Frisches Gemüse, Kartoffeln, Brot, Käse, Fisch und 2 Kisten mit Getränke. Ein neues T-Shirt ist auch noch dabei. Ja, ja die Verführungen im Supermarkt, aber das T-Shirt war ja so schön, auf den Preis hab ich nur flüchtig geschaut, war nicht so teuer. Und wieder ist ein Unterschied da, der Arme würde das T-Shirt nicht kaufen, er kauft auch keine 2 Kisten Getränke, da er ja mit dem Bus fährt. Käse und Fisch gibt es bei den Armen auch sehr selten. Es gibt Aufschnitt und Wurst vom Schwein, das ist billiger und macht satt. Kartoffeln kaufen die Armen auch selten, warum weiß ich nicht. Die essen mehr Brot und Kuchen, das kostet sogar etwas mehr.

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Der Abend ist noch zu schön und sonnig. Ich beschließe noch eine Runde um das Dorf zu spazieren. In unserer Straße spielen die Kinder mit Kinderfahrrädern, tragen Adidas Turnhöschen und malen mit bunter Kreide auf der Straße. Weiter auf dem Weg komme ich bei der Bürgerhilfe (Kleidertafel) vorbei. Dort hängt ein Schild an der Tür: Dringend Hosen und T-Shirts für Jungen von 8 bis 10 Jahren gesucht. Die Abfahrtszeiten vom Bus in das Nachbardorf zur Lebensmitteltafel hängen auch aus. Ich komme an der Grundschule vorbei. Dort hängt auch ein Schild an der Tür: Gebrauchte Schulranzen (Schulrucksack, Schultasche) und Mappen gesucht, wer noch etwas übrig hat, für Spenden wären wir dankbar. Und wieder ein Unterschied: Arme Kinder bekommen keine Kinderfahrräder, sie haben auch keine bunte Kreide zum spielen, eine Adidas Turnhose wie unsere Sportstars bekommen sie auch nicht.

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Ich kann einfach nicht über die moderne Ständegesellschaft schreiben, ich bekomme einen Klos im Hals. Das Grundprinzip und die Struktur ist wie im Mittelalter, nur eben moderner. Au weia…….Gott behüte uns.